Blauburgunder


Von rund 2500 Hektar Reben in der Deutschschweiz sind mehr als zwei Drittel mit der «Königin der Rebsorten», dem Pinot noir oder Blauburgunder, bestockt. Namentlich im Kanton Schaffhausen dominiert die Sorte. In der grössten Ostschweizer Weinbaugemeinde Hallau im « Schaffhauser Blauburgunderland» stehen gegen 160 Hektar in Ertrag.

Schon im 14. Jahrhundert wird ein Wein namens Pinot noir in einer Urkunde im Burgund erwähnt. In Zentraleuropa kümmerten sich vor allem die Klöster um den Anbau und die Verbreitung. So gewann die Sorte insbesondere in der nahen Champagne, im Elsass, in Deutschland und in der Schweiz rasch an Bedeutung. Ab Ende der 1980er Jahre verbreitete sich der Pinot auch in Amerika, was das Interesse der Weinerzeuger auch auf anderen Kontinenten weckte. Der Pinot noir neigt wie kaum eine andere Sorte zu Mutationen (Farbvarianten wie bei Pinot blanc und Pinot gris) sowie zur Degeneration. Dies erklärt die aussergewöhnlich grosse Zahl verschiedener Klone: An die 50 sind in Frankreich offiziell anerkannt. Herkömmlich gekeltert, bringt der Pinot noir vergleichsweise wenig Farbe. Da auf dem aktuellen Markt farbkräftige Gewächse deutlich bessere Karten haben, wenden die Produzenten entsprechende Kelterungsmethoden an, um mehr Anthocyane (rote Farbstoffe) zu extrahieren und allgemein mehr Fülle und Gehalt zu erreichen. So wird mit verlängerten Maischestandzeiten gearbeitet, mit Enzymeinsatz, Mikrooxidation, Temperaturführung und verschiedenen Gärformen. Verbreitet ist die seit den 60er Jahren bekannte Maischeerwärmung, bei der die Maische kurzzeitig auf 55 bis 80 Grad Celsius erhitzt und anschliessend wieder rückgekühlt wird. Spezielle Gärtanks unterstützen eine bessere Farb- und Extraktausbeute bei der klassischen Maischegärung, und wer noch weiter gehen will, unterzieht den frischen Most einer mechanischen Konzentrationsprozedur. Vorteilhaft für die Farbstabilität, aber auch für Robustheit und Lagerfähigkeit der Weine ist zudem der Ausbau in Barriques. Die Lagerung in Neuholz setzt allerdings eine besonders gute Traubenreife voraus, denn nur aus gehaltvollen Weinen lässt sich ein charaktervoller, ausgewogener Tropfen gewinnen.

Verwandlungskünstler

Ausdruck und Typologie des Schweizer Pinot noir auf einen Nenner zu bringen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wie kaum eine Zweite variiert die anspruchsvolle, geradezu kapriziöse Sorte je nach Bodenbeschaffenheit und Mikroklima. In Schaffhausen sorgt das Klima für ein vielschichtiges Bouquet, der kalkreiche Boden für eine harmonische Struktur und feinen Gerbstoff. Die Farbe ist kräftig, das Bouquet zeigt bei Kelterung und Ausbau im herkömmlichen Stil einen ausgeprägten Himbeerton. Auf der Zunge prä­sentieren diese Weine ein beachtliches Volumen, gezeichnet von präsenten, aber geschmeidigen Gerbstoffen.

aus Vinum extra 

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